Lyrisches Ich (Gedichtinterpretation)

Als “Lyrisches Ich” bezeichnet man einen fiktiven Sprecher oder eine Stimme des Gedichts. Neben einem Autor besitzt jedes Gedicht auch einen solchen Sprecher, welcher nicht mit dem Autor gleichzusetzen ist. Oft äussert das “Lyrische Ich” Gefühle, Erlebnisse oder spricht eine Person direkt mit “du” an. Das “Lyrische Ich” kann auch als ein “wir” auftreten.

Beispiel anhand eines Gedichts von Joseph von Eichendorff

An Luise (Joseph von Eichendorff)

Ich wollt in Liedern oft dich preisen,
Die wunderstille Güte,
Wie du ein halbverwildertes Gemüte
Dir liebend hegst und heilst auf tausend süße Weisen,
Des Mannes Unruh und verworrnem Leben
Durch Tränen lächelnd bis zum Tod ergeben.

Doch wie den Blick ich dichtend wende,
So schön still in stillem Harme
Sitzt du vor mir, das Kindlein auf dem Arme,
Im blauen Auge Treu und Frieden ohne Ende,
Und alles lass ich, wenn ich dich so schaue -
Ach, wen Gott lieb hat, gab er solche Fraue!

Markant ist bei diesem Gedicht von Joseph von Eichendorff die häufige Verwendung von “ich” und “mir”. Das “Lyrische Ich” ist hier die Person, welche zu einer Frau (Luise) spricht. Hierbei handelt es sich bei beiden Personen um fiktive Personen. Der Fachbegriff hierfür lautet “fiktive Figur”.